Es ist ziemlich viel passiert die letzten Tage. Ich hoffe, ich bekome das jetzt in einen einigermaßen übersichtlichen Text gepackt.
Fangen wir bei unserem letzten Internetcafé-Aufenthalt an. Dort haben wir Donald kennengelernt. Bis dahin wussten wir aber noch nicht, dass er wirklich Donald heißt. Wenn Ghanaer ihren Namen aussprechen, versteht man es einfach überhaupt nicht. Aaron und Emmanuel sind auch zwei Beispiele für Namen, die man eigentlich kennt, aber im Ghana-Slang nicht versteht. Man muss dreimal nachfragen, um dann immer noch nicht genau zu wissen, wie die Person eigentlich heißt. Also das am Rande.
Auf dem Rückweg haben wir ein Stück Melone gekauft. Von einer der vielen Ghanaerinnen, die überall gerumlaufen und Früchte in großen Schüsseln auf ihrem Kopf transportieren. Zuerst wollte sie 1,5 Cedi für das Stück haben. Anne hat dann erstmal ganz skeptisch nachgefragt, ob das denn der normale Preis dafür sei. Daraufhin hat sie ein bisschen beschähmt geschaut und nach ein bisschen verhandeln haben wir dann 1 Cedi für ein größeres Stück bezahlt, was immer noch ein für sie guter Preis war. Aber langsam lernen wir damit umzugehen und "Are you sure?" zu fragen, wenn uns der Preis ein wenig zu hoch vorkommt.
Wir sollten um 11 wieder da sein, weil Sharon uns dann abholen wollte. Sie rief us dann aber halb 12 an, um un mitzuteilen, dass sie es nicht schafft und ob wir uns nicht an der Mall treffen können. Aber als sie angefangen hat, die "directions" durchzugeben, war ziemlich schnell klar, dass wir da vorerst nicht allein hinfinden würden. Sie hat uns dann später Maclean vorbeigeschickt, der uns Jolof (ein Reisgericht) und Nudeln vorbeigebracht hat. Außerdem hat er uns dann ganz genau und mit viel Geduld aufgeschrieben, welches Trotro wir von wo genau nehmen müssen, um zur Mall zu gelangen. Also haben wir uns dann anch dem wiedermal viel zu scharfen Essen auf dem Weg dorthin gemacht. Erstmal standen wir komplett an der falschen Stelle der Straße und haben uns gewundert, warum kein Trotro anhält, bis wir jemanden gefragt haben, der uns weitergeholfen hat. Hier ist ausnahmslos jeder sehr hilfsbereit gewesen, den wir um Rat gefragt haben. Als wir dann mit einem Mal Umsteigen endlich an der Mall angelangt waren, wurden wir auf dem Weg zum Eingang gleich von bettelnden Kindern verfolgt. Das sind die mit Abstand unangenehmsten Situationen.
Das Einkaufszentrum an sich sieht genauso aus, wie bei uns zu Hause. Es gibt sogar einen Levis- und einen Puma-Laden. Wir haben dann auch endlich unsere Simkarten registrieren können. Hier läuft alles über das Handy. Ohne wären wir ziemlich aufgeschmissen.
Auf dem Rückweg standen wir dann mal wieder an der komplett falschen Stelle und haben auf ein Trotro gewartet. Wir sahen wohl ziemlich hilflos aus und dann hat uns ein netter Herr zu unserer Bushaltestelle begleitet. Auf dem gesamten Weg dorthin hat er sich mit ein und demselben Ohrenstäbchen das linke Ohr gesäubert. Auf dem Weg vom ersten zum zweiten Trotro war das rechte an der Reihe. Aber sehr nett war er. Er hat dann dafür gesorgt, dass wir im richtigen Trotro weiterfahren und uns sogar angeboten, uns noch weiter zu begleiten. Das lehnten wir dankend ab, bekamen noch ein "God bless u" und weg war er. Total k.o. sind wir dann irgendwann auch endlich zu Hause angekommen, nachdem wir unser erstes Erfolgserlebnis hatten und unser Viertel wiedererkannt haben. Wir wohnen hier in Kotobaabi. Das ist ziemlich im Norden von Accra, aber verglichen mit dem LC-Haus von AIESEC, in dem die anderen Praktikanten wohnen, sehr zentral.
Später kam dann noch Fredrica und hat uns ein paar Utensilien für unser recht dürftig ausgestattetes Zimmer mitgebracht. Danach sind wir nur noch tot ins Bett gefallen.
Sonntag war bis Nachmittag absolut unspektakulär. Wir haben die ganze Zeit nur im Bett herumgelungert, gelesen und geschlafen. Es hat uns wohl irgendwie die tropische Luft eingeholt. Gegen 5 Uhr nachmittags kam dann jedoch Sharon mit Rebecce, die sie vom Flughafen abgeholt hatte. Wir wohnen jetzt also zu dritt hier in dem Raum.
| Sharon kocht für uns Stew |
Wir sind dann erstmal auf dem Markt gegangen, weil Sharon uns angeboten hatte, als "Cook of the day" Stew für uns zu kochen. Das Wort Stew benutzt man hier für jegliche Art von Eintopf oder Gulasch. Da Sonntag war, war auf dem Markt nicht gerade viel los. Aber wir haben die wichtigsten Sachen besorgen können. Jetzt werden die Zeiten interessant. Wir haben bis dato nur eine Schüssel Cornflakes gegessen und hatten somit ziemlichen Hunger. Gegen 6 waren wir zurück und Sharon hat angefangan zu kochen. Eine halbe Stunde später kam ihr Kumpel Aaron. Er hat uns prophezeit, dass das Essen vor 10 nicht fertig sein würde. Das fanden wir natürlich anfangs ganz lustig und wollten es nicht glauben, aber als es dann 8 Uhr war, zeichnete sich schon ab, dass er Recht behalten könnte. Aaron hat uns dann angeboten, ein bisschen herumzulaufen bis das Essen fertig ist. Also sind wir losgezogen. Unterwegs haben wir noch 2 ghanaische Snacks proboert, die am Straßenrand verkauft wurden. Die waren nicht allzu scharf. Aber auch nicht unscharf. Als wir am Internetcafé vorbeigelaufen sind, hat Aaron jemanden gegrüßt, der davor stand. Wir haben uns nichts weiter dabei gedacht, bis derjenige uns überschwänglich mit Namen begrüßte. Ratterratter... achja! Der Internetcafé-Mann, von dem wir den Vornamen nicht verstanden hatten...
Donald hat uns dann auch weiter begleitet. Wir wurden nahh gefragt, ob wir die Slums sehen wollten. Also ging es die Straße immer weiter geradeaus und schon waren wir da. Die sind also wirklich nicht sehr weit von unserem Haus entfernt. Man kann sie aber keineswegs mit den Slums in Indien vergleichen, wie man sie von Bildern kennt. Wenn man uns nicht gesagt hätte, dass das jetzt hier ein Slum ist, wäre uns das nicht sofort aufgefallen. Aller Kinder waren ganz begeistert davon, "Obrunis" (Weiße) zu Gesicht zu bekommen. Unglaublich niedlich. Dann mussten wir aber auch schon wieder zurück. Wir waren ohnehin schon viel zu spät dran. Aber das scheint in Ghana ganz normal zu sein. Zurück zu Hause war das Essen noch immer nicht fertig. Es lag am Topf. Der hat nicht ganz auf die Herdplatte gepasst. Es hat dann im Endeffekt wirklich bis kurz vor 10 gedauert, bis wir endlich etwas zu essen hatten. Rebecca hat zu dem Zeitpunkt schon geschlafen und wir haben und wir haben uns dann nach dem Essen auch gleich hingelegt. Unser gewohnter Tagesrhythmus wird hier komplett über den Haufen geworfen. Wir sind morgens um 6 wach und abends gegen 9 schon todmüde.
| Mehr Hinweisen bedarf es ja nun wirklich nicht außer dieses handgeschriebenen Schildes... |
Am Montagmorgen hat Aaron uns dann um 8 Uhr abgeholt und wir sind zum Uni-Campus gefahren. Da haben wir uns mit Sharon und Fredrica getroffen und sind zum LC-Haus gefahren. Das liegt wirklich ab von jeglichem Schuss. Immerhin haben die dort jetzt fließendes Wasser und eine Küche. Unsere "Klospülung" hier ist wirklich super nervig. Aber die Flaschendusch funktioniert jetzt soweit ganz gut. 2,5 Flaschen für eine "Dusche" mit Haarewaschen. Wir werden hier noch zu ganz schönen Sparfüchsen umerzogen. Auf dem Rückweg vom LC-Haus sind wir nochmal eben zur Mall gefahren. Dort haben wir Maclean getroffen. Obwohl wir hier in Accra so gut wie niemanden kennen, treffen wie auf ihn! Zufälle gibt's... Aber Maclean ist einfach mal so ein sympatischer Typ, der dann auch ganz nebenbei fallen lassen hat, dass heute sein Geburtstag wäre...
Als wir von unserem Tagesausflug wieder zu Hause waren, waren wir ziemlich fertig, weil es unser erster Tag in Ghana war, an dem die Sonne den ganzen Tag direkt geschienen hat. Sonst ist es eher immer verhangen.
Carola und Rebecca haben sich dann abends trotzdem noch mit einem Inder und drei Chinesen aus dem LC-Haus zum Essen getroffen, und Anne hat ihren Sonnenstich auskuriert:-)
| Carola und Rebecca wollen den Afrikanern Konkurrenz machen - naaajaaaa.... |
Wie schon erwähnt, ist es heute sehr verregnet uns so haben wir bisher nur dafür gesorgt, dass unsere 8 Wasserkanister wieder aufgeüllt wurden. Die Jungs, die uns die vollen Kanister dann hoch gebracht haben, transportierten sie auf dem Kopf. Einfach unglaublich, wo wir die Teile so kaum gehoben bekommen...
Mal sehen, was der Tag heute noch bringt. Wir habe gehört, dass Lisa heute angekommen ist. Vielleicht treffen wir uns mir ihr und den anderen deutschen Praktikanten morgem mal zum Abendessen.
Bis dahn viele liebe Grüße aus Ghana!
Anne&Carola
hey ihr beiden,
AntwortenLöschendie geschichten lesen sich wirklich spannnend! was ihr nicht alles erlebt! kaum vorzutellen, dass ihr gerade tausende kilometer weit weg seid.
macht schön viele fotos und lasst euch nicht klauen. Wir sehen uns ja schon "bald" wieder.
lieben gruß, domi